Montag, 30. August 2010

Das zehnte vollkommen unvollkommene Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Es ist nicht leicht, jedes Abenteuer mit denselben Sätzen zu beginnen. Deshalb lass ich es und greife auf eine Notlösung zurück. – Das paraphrasieren. Was das ist, weiß ich nicht, aber es hat funktioniert – ihr wart so abgelenkt, dass…

Weiter im Text: Niemals würde die mittelmäßige Sonja ein Fan von Gesichts-Man werden. Lieber Stewardess oder Opernsängerin. Die mittelmäßige Sonja wäre nämlich beinahe einmal Opernsängerin geworden, aber dann kam etwas dazwischen, was so heikel ist, dass ich nicht darüber schreiben kann.

Die mittelmäßige Sonja aber machte sich nichts daraus. Sie hatte doch alles, was sie nicht brauchte. Sie durfte doch machen, was sie nicht wollte. Sie freute sich doch so zu sein, wie es andere von ihr verlangten. – Das waren übrigens gerade nicht Sonjas Gedanken. Nein, es waren die der treuen Kuh, die auf der Weide stand. Die Weide war aus Wachs. Deswegen war die Kuh sehr dünn. Aber klug. Sie dachte also unter anderem auch: Was soll ich mir darüber meinen Kopf zerbrechen. Etwas Gras wäre mir lieber. Dann starb sie.

Die mittelmäßige Sonja war zwar nur mittelmäßig traurig über den Tod der Kuh, ein bisschen war es auch die Rache dafür, dass die Kuh dereinst das Geburtstagsgeschenk der mittelmäßigen Sonja zertreten hatte, bevor sie es überhaupt einmal benutzen konnte. Das waren jetzt übrigens wirklich Sonjas Gedanken. Schlimm, nich?

Im ersten Abenteuer wurde angedeutet, dass das WAS?, also das, was das war, wovon ich eben geschrieben habe, eventuell in einem Folge-Abenteuer thematisiert werden könnte. Und ja, jetzt ist es soweit. Das Geschenk war …

… ein Fisch aus Zuckerwatte, der Gedanken lesen konnte. Tja, sorry, aber so isses.
Gesichts-Man wusste natürlich Bescheid, er hatte recherchiert, sich extra eine Flatrate gekauft, die teuer war, sehr teuer – und er würde dieses Wissen irgendwann zu seinem Vorteil zu nutzen wissen. So wahr er Old Shutterhand heiße … hieße.

(Diabolisches Lachen mit Hall!)

Zum Ende der Geschichte sei noch erwähnt, dass die mittelmäßige Sonja dem Bürgermeister ins Augen gestochen hat, ins Linke, als er in der Videothek vordrängeln wollte.

Mittwoch, 25. August 2010

Das neunte deutlich überflüssige Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Es war der Tag, an dem schimmliger Käse salonfähig und das „ß“ erfunden wurde. Ein schwarzer Tag für die Menschheit. Ein sonniger Tag.

Die Kerzen brannten rückwärts und im Dunste der aufsteigenden Straßenteer-Dämpfe stiefelte sich die mittelmäßige Sonja mittelmäßig durch die Promenadierungen rechts und links der Gehwegmitte.

Sie sang ihr Lieblingslied. Ein mittelmäßiges Werk aus der Feder eines absolut unbekannten Versagers mit Klumpfuß und Glubschaugen. Apropos „Glubschaugen“, dachte die mittelmäßige Sonja, die diesen Text hier lesen konnte, noch während er entstand, ich könnte mal wieder … Sie dachte diesen Satz nicht zu Ende, sondern machte eine sehnsüchtige Bewegung mit dem Zeigefinger. Nicht hektisch, nicht langsam, mittelmäßig und etwa auf Höhe des Bauchnabels von Samson aus der Sesamstraße.

Leider war heut niemand auf der Straße, denn es war jener äußerst seltene Mittwoch im September, an dem nie Menschen auf der Straße sind. Aus Angst vor dem Donnerstag.

Der mittelmäßigen Sonja war alles andere als ängstlich zumute. Sie bohrte mit ihrem Finger weiter in der Luft und überlegte, ob der Donnerstag vielleicht Augen hatte. Oder auch nur eins. Ganz egal. Dann würde sie das nehmen.

Es ließ sich dieserzeits nicht mehr herausfinden, womit der Donnerstag die Welt sah, denn es begann zu regnen. Und zwar Schneeflocken aus Grießbrei. Ohne Geschmack. Die mittelmäßige Sonja verbrachte den Tag mundaufwärts und sättigte sich für Monate.

Am Donnerstag allerdings hatte sie mittelmäßiges Bauchweh. Sie blieb im Bett und fuhr Tretboot.

Freitag, 20. August 2010

Das achte unsäglich nierderschwellige Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Dieses Abenteuer der mittelmäßigen Sonja sollte eigentlich mit den Worten beginnen: Als die Welt noch anisfarben war und nach Trockenfrüchten schmeckte, gab es keinen Grund für Mittelmäßigkeit … - dann wurde mir aber bewusst, um wen es geht, und ich verwarf diesen Anfang.

Stattdessen möchte ich beginnen mit: Als die Welt noch eine mittelmäßige Trockenfrucht war, nämlich eine Anis aus dem fernen Lande Bogobogo, passte niemand besser in ein kleines Dreckskaff (dessen Namen ich vergessen habe) auf dieser Trockenfrucht-Erde, als die mittelmäßige Sonja.

Sonja hatte den Vormittag geraucht, heimlich versteht sich, hinterm Schuppen, in dem die Gästetoiletten untergebracht waren, nämlich deshalb, weil sie im Haus gar keinen Sinn machten, die Gästetoiletten. Nun fühlte sich Sonja ziemlich mittelmäßig zwischen all dem überflüssigen Zeug und die Stunde von 10.30 – 11.30 Uhr lag ihr schwer zudem im Magen.

Sie rasierte zum Ausgleich die schwere Eisenpfanne und föhnte den bassen Fließ-Schlüpfer ihres ältesten Bruders, weil sie schon als kleines Mädchen Schwierigkeiten hatte, dass B und das N auseinanderzuhalten. Dann wusch sie sich und schlenderte durch das buschige Unterholz, weil es sich so gut schreibt.

Später riefen ihre Eltern sie. Aber nicht an, sondern auf – den Balkon, um mit ihr zu reden. Die Kartoffeln sagten, sie, die Kartoffeln fürs tägliche Kartoffelpüree, seien in letzter Zeit nicht mehr so gut gestampft, wie man es von ihr gewohnt sei, nein, sie seien grobklumpig und beinahe ungekocht. Zudem bitter und zu klein. Zudem so parpanös delivjat. Was denn los sei, fragten sie. Und zwar in mehreren Sprachen, derer sie gar nicht mächtig waren.

Sonja zuckte mit den Schultern. Und wie. Sie versuchte ein anderes Zucken, als ihr gewöhnliches, um die Eltern nicht in Sicherheit zu wiegen und um Zeit zu gewinnen. Sie gewann nämlich nie etwas. Nicht einmal Abstand zum Vordermann in einer Reihe vor dem Kiosk, wenn es neue Sohlen aus Polen gab.

Wie auch immer. Sonja zuckte. Und zwar so, dass die Eltern sich nicht in Sicherheit wiegen konnten und daher bewogen, etwas zu wagen.

Konnten sie aber nicht, denn der Text war zu Ende.

Donnerstag, 19. August 2010

Das siebente knrzn Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Die mittelmäßige Sonja hatte einen Erzfeind. Er hieß Gesichts-Man und war sowas wie ein Superheld und alles andere als mittelmäßig.

Gesichts-Man hieß mit bäuerlichem Namen Klaus und wohnte ein Dorf weiter, neben der Weide von Schäfer Franz. Bei seiner Mutter. Gesichts-Man hatte einen unfassbar stylischen Umhang mit allem Schnick Schnack und war immer gut drauf. Seine Geheimwaffe war sein Gute-Laune-Gesicht, ein Grinsen von Ohr zu Ohr, mit Zahnfleisch-Garantie und einer auf perfektem Schmelz basierenden Blend-Garantie. Dazu seine spezielle Oberspezialwaffe: Die zwei nach oben gestreckten Daumen. Es war einfach unwiderstehlich, dieses überdurchschnittliche Super-Lachen. Außer für die mittelmäßige Sonja.

Gesichts-Man superkräftete sich also zeitnah und fortwährend positiv durch die Kieze und wurde immer beliebter, weil er so volksnah war. Die mittelmäßige Sonja fand ihn so mittelmäßig volksnah und applaudierte nicht bei einer öffentlichen Huldigung. Seitdem hassten sie sie sich. Einseitig zwar nur mittelmäßig, aber das nur der Vollständigkeit halber.

Ein anderer Tag. Die mittelmäßige Sonja war gerade dabei Kartoffeln zu stampfen und schaute mittelmäßig aus ihrer verchromten Schälschürze, als es leutete. Ja, ihr habt richtig gelesen, es leutete, denn plötzlich war alles voller Leute im Raum. Dem Küchenraum.

Es waren Journallien und Fotografurien schlimmsten Kalibers. Alle mit Namenskärtchen und einer ohne. Die mittelmäßige Sonja hielt inne, wobei dieser Prozess des Innehaltens selbstverständlich mittelmäßig vonstattenging.
Sie sollte doch eigentlich fragen: Was geht hier vor? Oder vielleicht: Verdammt, was geht hier vor? – Aber trotz dieser zahlreichen Handlungsoptionen hielt sie einfach nur inne.

Da sprang der ohne (Namensschild)hervor und machte eine vertraute Geste. Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern, wie es keiner konnte, den ich kenne und die Fotografurien knippsten ein Blitzlichtgewitter los, dass es einem den Gesichtspansen frittierte.

Die Geste war das Superlachen und der ohne war niemand anderes als Gesichts-Man. Stilistisch gewagt, aber so war es nun mal. Gesichts-Man wollte eigentlich die Journallien und Fotografurien live dabei haben, wenn die mittelmäßige Sonja, als letzter Nicht-Fan dieser Erde, zum letzten Fan dieser Erde wurde. Aber daraus wurde nichts, wie ja gerade schon geschrieben wurde.

So blamurierte sich Gesichts-Man erneut, was seinen Hass nur verfachte. Und zwar um einiges. Es wird nicht die letzte Begegnung zwischen der mittelmäßigen Sonja und Gesichts-Man gewesen sein. Aber die letze für jetze.

Fandet ihr dieses Abenteuer auch so mittelmäßig wie ich? – Dann ruft mich nicht an!

Dienstag, 17. August 2010

Montag, 16. August 2010

Das fünfte erbärmlich lächerliche Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die Geschichte mit dem Püree aus dem ersten Abenteuer unserer so einzigartig mittelmäßigen Heldin? Ich gehe davon aus, denn aus meiner Perspektive wirkt ihr mir doch recht ausgeschlafen. Um nicht zu sagen mittelmäßig. Aber lassen wir das.

Es ist wohl an der Zeit. An der Zeit, darauf hinzuweisen, dass diese Geschichte eines Tages vermutlich noch genauer erklärt werden wird. Vielleicht aber auch nicht. Manchmal ist das Leben unvorhersehbar, so wie meistens.

Die mittelmäßige Sonja hatte einen Job als Souffleuse in einem mittelmäßigen Theater angenommen. Aus Platzgründen fielen allerdings in den letzten Jahren alle Vorführungen aus. So saß sie nun, einsam in ihrem Souffleusen-Kabeuz und soufflierte Texte ins Leere bis sie einen Zungen-Pilz bekam. Er war selbstredend nur mittelmäßig gefährlich, aber Grund genug, einmal übers Leben nachzudenken.

Das tat die mittelmäßige Sonja. Und zwar genau 14 Sekunden, dann kündigte sie und spielte ehrenamtlich mit den Schalentieren ihres Nachbarn. Dieser hatte eine Sammlung dieser seltsamen Wesen und die mittelmäßige Sonja fühlte sich mittelmäßig zu ihnen hingezogen. Bis sie einem ins Auge stach. Es geschah nicht mit Absicht, aber das Schalentier wehrte sich – mit Absicht vermutlich – und schnitt ihr mit einer seiner Scheren mittelmäßig in den kleinen Finger der linken Hand. Er musste apportiert werden, aber der Chefarzt, Dr. Hundt, brachte ihn ihr wieder. Zum Glück.

Seitdem hatte die mittelmäßige Sonja noch ein bisschen weniger als mittelmäßig Lust auf Spielereien mit Schalentieren und ihr Nachbar wurde sehr einsam.

Samstag, 14. August 2010

Das vierte unsagbar erbärmliche Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Die mittelmäßige Sonja hatte sich schon immer einen Hund gewünscht. Natürlich nicht von ganzem Herzen und über alles in der Welt, aber schon so, dass man sagen könnte, der Wunsch als solches existierte. Ihre Eltern schenkten ihr aber keinen, weil sie Angst hatten, sie würde ihm ins Auge stechen. Durchaus berechtigt, wenn auch nur mittelmäßig.

Soviel vorab: Die mittelmäßige Sonja wird nie einen Hund bekommen, aber das weiß sie nicht und ich würde euch bitten, dass für euch zu behalten. Alles andere wäre irgendwie fies.

Das der Hund, den sie nie bekommen wird, aber gar nichts zur Sache tut, wird spätestens klar, als die mittelmäßige Sonja eines Tages ein Ei fand. Es lag einfach so auf der Wiese und zuerst dachte Sonja, dass es sich um einen Knollen- oder Butterpilz handeln würde. Sie nahm das Ei mit in ihr einziges Einzelzimmer im elterlichen Haus und brütete es in etwa 3 Monaten aus. Es können auch Tage gewesen sein. Oder Jahre. Manchmal ist die Zeit ein Luder, das sich verstellt oder nur so tut, als ginge es ihr um uns.

Auf jeden Fall brütete die mittelmäßige Sonja das Ei aus und es schlüpfte ein kleiner blauer Affe mit drei Augen. Die mittelmäßige Sonja musste sich mittelmäßig zusammenreißen, um der dreifachen Verlockung zu widerstehen. Sie schaffte es und stach dem unschuldigen Tier in keines der drei Augen. Eine wahrhaft mittelmäßige Meisterleistung für ein Mädchen ihrer Güteklasse.

Der blaue Affe wuchs und wurde erst grün, dann sehr dick, so dass er beinahe wie ein Nilpferd aussah, dann wurde er tot und dann begann er zu riechen.

Die mittelmäßige Sonja ließ ihn laufen. Das heißt, sie warf ihn bei einer morgendlichen Traktorfahrt über Bord. Wie man so sagt, wenn man auf dem Land lebt und skandinavisch die Zweitsprache ist.

Sie vermisste ihn eine Weile mittelmäßig und war mittelmäßig erleichtert, nicht mehr 28mal täglich Gassi gehen zu müssen.

Als sie einige Zeit später (Tage oder Jahre, ihr wisst schon) wieder ein Ei auf der Wiese liegen sah, ließ sie es liegen und kaufte sich stattdessen ein Eis, das ihr so mittelmäßig schmeckte.

Freitag, 13. August 2010

Das dritte vollkommen spannungslose Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Es war kein Tag wie jeder andere. Dazu war er zu besonders. Und das kam so:

Die mittelmäßige Sonja kam von der Schule, bzw. ging gerade dorthin. So genau ließ sich das bei der mittelmäßigen Sonja nie sagen. Das war eines ihrer ganz speziellen Geheimnisse. Dafür war sie so mittelmäßig bekannt.

Da kam ihr eine Freundin entgegen, deren Namen sie vergessen hatte. So mittelmäßig seltsam, dachte Sonja und beachtete die Freundin gar nicht, ging an ihr vorbei, aber sowas von mittelmäßig. Das Raffinierte an diesem Text ist, dass die Freundin gar nicht hätte erwähnt werden müssen – aber ich habe es trotzdem getan. Verblüffend, oder?

Als es später wurde an diesem Tag, beschloss die mittelmäßige Sonja angeln zu gehen, weil sie das noch nie getan hatte. Sie kaufte sich eine mittelmäßig gute Angel und einen großen und zwei kleine Würmer. Nur zur Sicherheit.

Als sie an den See kam, war dieser geschlossen. Montags geschlossen! stand auf einem Schild. Da hatte sie den Salat. Sie zuckte die Schultern, eine Bewegung die ihr sehr leicht fiel. Eine Bewegung, die sie verinnerlicht hatte. Eine Bewegung, so flüssig wie heiße Schokolade. Als sie sich gerade umdrehen und gehen wollte, wurde ihr bewusst, dass heute Mittwoch war, aber das änderte nichts daran, dass der See geschlossen war.

Sie ließ die Würmer fliegen und sah ihnen nach. Die Tiere genossen ihre Freiheit so sehr, dass sie starben. Was traurig war aus ihrer Sicht.

Sonja verschenkte ihre Angel an einen Tagelöhner, der gerade Mittagspause hatte und fühlte sich mittelmäßig gut dabei. Dann klingelte ihr Handy. Es war der Montag, der sich entschuldigte, weil er verschlafen hatte. Aber nun war es zu spät für Entschuldigungen.

Sie fand eine Blockflöte am Wegesrand und rauchte sie. Der Qualm stieg ihr in die Nase, er hatte sich extra eine Kletterausrüstung gekauft.

Wenn Sonja Tränen gehabt hätte, hätte sie nun eventuell geweint. Einfach deshalb, weil es gut in die Geschichte passen würde und ein wenig unerwartet gewesen wäre. Aber sie weinte nicht. Und so ging der Tag zu Ende. Ein absolut mittelmäßiger Tag. Wie bereits am Anfang erwähnt.

Das zweite absolut belanglose Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Die mittelmäßige Sonja war am frühen Abend dieses Tages erwacht, nachdem sie die Nacht durchgeschlafen hatte, bevor es hellgeworden war. Sie fühlte sich für ihre Verhältnisse recht mittelmäßig – und das wollte etwas heißen. Sie wappnete sich eben so gut es ging und machte sich auf den Weg zum Bäcker. Dieser hatte zu!

Es wird euch verwundern, aber das juckte die mittelmäßige Sonja nur mittelmäßig. Ging sie eben zum Fleischer und kaufte dort, was sie brauchte: Mehl.
Da ihre Eltern, ehemalige Tischler, die nun Bauern waren und gewaltfreies Mehl mit Karos züchteten, all das gezüchtete Mehl mit Karos an die Reichen verschenkten, brauchte die 15-köpfige Familie natürlich selbst auch ordentlich Mehl. Sonja kaufte zwei Gramm. Auf den Strich. Sie zahlte, mittelmäßig motiviert, und ging wieder. Der Mehlverkäufer mit der blutigen Schürze sah ihr weinend hinterher. Er hatte sich den Zeh gestoßen.

Als die mittelmäßige Sonja um die Ecke zog, tat sich ein Loch vor ihr auf. Es war nicht irgendein Loch, nein, es war ein anderes. Niemand hatte es vorher gesehen, geschweige denn vermisst. Sie fiel nicht hinein, aber beinahe. Sie schaute ins Loch, sah nichts und zuckte mit den Schultern. Einfach so. Ohne jede Hast.

Als sie sich umdrehen und gehen wollte, fiel sie doch hinein. Wieder ein Beweis, wie hinterhältig das Leben sein kann, wenn man es nicht ab und an in seine Schranken weist.

Die mittelmäßige Sonja stieß sich mittelmäßig den Kopf. Und zwar an einem Kopf. Es war der Kopf vom Teufel, glaube ich.

Der Kopf sagte: Ich bin der Teufel. – Da haben wirs, er ist es wirklich.

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Kopf vom Teufel sagte: Buh!

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Kopf vom Teufel sagte: Hast du keine Angst?

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Teufel schlug brüllend gegen einen gruseligen Zerr-Spiegel, der links von ihm an der Wand des Loches angebracht war. Wie zu erwarten zersprang der Spiegel kreischend. Nein, klirrend.

Die mittelmäßige Sonja wischte sich einen Glassplitter aus der Milz und hustete kurz. Bis sie wieder aufhörte und genauso kurz nichts tat. Dann stach sie dem Teufel ins Auge. Und zwar ins Linke.

Der Teufel verpuffte mit einem grunzigen Grunzen und durch den Verpuffungs-Puff wurde die mittelmäßige Sonja aus dem Loch gepustet bis sie nicht mehr drin war. Als sie davor stand schaute sie noch einmal hinein. Da war nichts. Sie kontrollierte ihr Mehl-Päckchen und stellte feste, das es mittelmäßig unversehrt war.

Später am Abend geschah nichts weiter. Außer dass es mittelmäßig dunkel wurde und die Kolibris ihr immer gleiches Lied zur Nacht sangen. Es beginnt mit Tirili und endet auch so.

Das erste vollkommen langweilige Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Die mittelmäßige Sonja war eigentlich gar nicht so mittelmäßig, wie es der Titel dieser kleinen Geschichte vielleicht implizieren könnte. Sie war nur mittelmäßig im Sinne von "in ihren Mitteln mäßig", im Sinne von "reduziert".

Sie freute sich zum Beispiel mittelmäßig, als sie zu ihrem 7. Geburtstag endlichendlichendlich ein seit langem ersehntes Geschenk bekam. (Was das ist, wird eventuell in einer Folge-Geschichte thematisiert.)
Sie ärgerte sich nur mittelmäßig, als dieses Geschenk - noch bevor sie es erstmals benutzen konnte - von einer tollwütigen Kuh zertrampelt wurde.
Sie war mittelmäßig traurig, als ihr Opa an einer Fischvergiftung starb. Mit Schaum vor dem Mund und platzenden Augäpfeln.
Sie erschrak sich mittelmäßig, als ihre Oma dadurch erst in Ohnmacht, dann aus dem Fenster fiel und mit ihrem Kopf die steinerne Eingangsfigur, einen pfeifenden Engel, zerstörte.

Im ganzen Dorf war niemand mittelmäßiger. Nicht einmal der Herr Bürgermeister mit seinem dicken Schnauzbart und seiner Vorliebe für mittelmäßige Kinofilme.

Und sie war überdurchschnittlich mittelmäßig fies, die mittelmäßige Sonja. Manchmal stach sie den Menschen einfach so ins Auge. Oftmals ins Linke, aber nicht immer. Deshalb hatte sie ein Einzelzimmer. Das einzige Einzelzimmer im ganzen Haus.

Sie war das siebente von 13 Kindern, gehörte also nicht zu den Jüngeren, aber auch nicht zu den Älteren - und auch das machte sie quasi mittelmäßig. Ihre Eltern waren zwei Bauern, die einst Tischler gewesen waren , dann aber Mitleid mit den Bäumen bekamen. Sie züchteten von nun an gewaltfreies Mehl mit Karos und verschenkten es an die Reichen. Wovon sie eigentlich lebten war unklar, aber die Familie kam zurecht, wie eine Familie eben zurecht kommt, wenn man schreibt, dass sie zurechtkommt.

Die mittelmäßige Sonja war für all die Aufgaben im Hause verantwortlich, die keiner machen wollte. Sie stampfte zum Beispiel die Kartoffeln für das Kartoffelpüree, welches es eigentlich jeden Tag zu essen gab. Als ehemalige Tischler führten Sonjas Eltern die Tradition des tägliche Kartoffelpüree-Essens fort. Wie es ihre Eltern getan hatten. Wie es ihre Kinder ebenfalls tun werden.

Die mittelmäßige Sonja war mittelmäßig klein und hässlich. Sie hatte uringelbe Korkenzieherlocken und ein kantiges, von Pockennarben durchwulstetes Gesicht, auf dem eine schiefe Brille mit Kompottgläsern und dickem neongrünem Gestell hauste. Sie hauste dort deshalb sprichwörtlich, weil sie wie eine Autobahnbrücke im Naturschutzgebiet wirkte. Obwohl Sonjas Gesicht wohl eher ein vernebeltes Hochmoor war, das Blasen schlug und stinkend vor sich hinsuppte.
Sonja trug eine Zahnspange, die 1971 von der Genfer Konvention verboten wurde. Das hatte sich aber bei den Eltern noch nicht rumgesprochen. Deshalb. Arme mittelmäßige Sonja.

Eines Tages kam ein Sturm. Ein großer. Er zerstörte die ganze Stadt und das ganze Land und beinahe auch die ganze Welt. Vorher kam er aber am Haus der Eltern vorbei. Die ganze Familie wurde durch die Luft gewirbelt und kam ein paar Kilometer weiter, mehr oder weniger unversehrt, zu Boden. Die mittelmäßige Sonja allerdings wurde bis nach Frankreich geweht. Warum, weiß man nicht. Und es wird auch nie geklärt werden. Sie schrie zwischendurch einige Male halbherzig, wartete aber sonst die meiste Zeit des Fluges ab, hielt ihre Brille fest und überlegte, wie sie ihre 3-Fragezeichen-Hörspielkassetten innovativ sortieren könnte.

Als sie in Frankreich auf einem Pflanzenmarkt-Parkplatz gelandet war, wollten sie ein paar Räuber überfallen. Auf Französisch heißen die zwar nicht Räuber, aber glaubt mir, sie machen dasselbe wie unsere Räuber. Und das wiederrum macht sie nicht zu guten Brettspielpartnern.

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern, weil sie ja nicht verstand, was die französischen Räuber wollten, dann stach sie dem Größten von allen ins Auge, und zwar ins Linke, und aß einen Nussriegel, den sie zufällig dabei hatte. Die Räuber flüchteten. So etwas mittelmäßig hinterhältiges war ihnen in ihrer ganzen Räuberkarriere noch nicht untergekommen. Sie hielten die mittelmäßige Sonja für eine außerordentlich außerirdische Lebensform.
Die mittelmäßige Sonja lachte. Aber nur ein bisschen.

Durch Zufall war ein Taxifahrer, der gerade Zeit hatte und nicht mehr arbeiten musste, weil seine Frau Karriere als erfolgreiches Nagelmodel gemacht hatte und der durch einen noch viel größeren Zufall aus dem Nachbardorf der Eltern der mittelmäßigen Sonja stammte und Platz im Auto hatte, am selben Würstchenimbiss wie die mittelmäßige Sonja und nahm sie mit nach Hause.
Das die mittelmäßige Sonja sich nach dem Vorfall mit den französischen Räubern auf dem Pflanzenmarkt-Parkplatz zum Würstchenimbiss begeben hatte, habe ich versehentlich übersprungen. Aber sie tat es. Und ihr habts ja trotzdem verstanden. - Also lest jetzt gefälligst nochmal diesen grandiosen Schachtelsatz am Anfang dieses Absatzes.

Als sie schließlich wieder in ihrem Einzelzimmer saß, sortierte sie ihre 3-Fragezeichen-Hörspielkassetten nach der Häufigkeit des Wortes "und". Es ergab sich eine äußerst interessante Anordnung.

Ihren Eltern war gar nicht aufgefallen, dass sie weg gewesen war. Der mittelmäßigen Sonja auch nicht so richtig. Aber das machte ihr nur ein bisschen was aus...