Freitag, 13. August 2010

Das zweite absolut belanglose Abenteuer der mittelmäßigen Sonja

Die mittelmäßige Sonja war am frühen Abend dieses Tages erwacht, nachdem sie die Nacht durchgeschlafen hatte, bevor es hellgeworden war. Sie fühlte sich für ihre Verhältnisse recht mittelmäßig – und das wollte etwas heißen. Sie wappnete sich eben so gut es ging und machte sich auf den Weg zum Bäcker. Dieser hatte zu!

Es wird euch verwundern, aber das juckte die mittelmäßige Sonja nur mittelmäßig. Ging sie eben zum Fleischer und kaufte dort, was sie brauchte: Mehl.
Da ihre Eltern, ehemalige Tischler, die nun Bauern waren und gewaltfreies Mehl mit Karos züchteten, all das gezüchtete Mehl mit Karos an die Reichen verschenkten, brauchte die 15-köpfige Familie natürlich selbst auch ordentlich Mehl. Sonja kaufte zwei Gramm. Auf den Strich. Sie zahlte, mittelmäßig motiviert, und ging wieder. Der Mehlverkäufer mit der blutigen Schürze sah ihr weinend hinterher. Er hatte sich den Zeh gestoßen.

Als die mittelmäßige Sonja um die Ecke zog, tat sich ein Loch vor ihr auf. Es war nicht irgendein Loch, nein, es war ein anderes. Niemand hatte es vorher gesehen, geschweige denn vermisst. Sie fiel nicht hinein, aber beinahe. Sie schaute ins Loch, sah nichts und zuckte mit den Schultern. Einfach so. Ohne jede Hast.

Als sie sich umdrehen und gehen wollte, fiel sie doch hinein. Wieder ein Beweis, wie hinterhältig das Leben sein kann, wenn man es nicht ab und an in seine Schranken weist.

Die mittelmäßige Sonja stieß sich mittelmäßig den Kopf. Und zwar an einem Kopf. Es war der Kopf vom Teufel, glaube ich.

Der Kopf sagte: Ich bin der Teufel. – Da haben wirs, er ist es wirklich.

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Kopf vom Teufel sagte: Buh!

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Kopf vom Teufel sagte: Hast du keine Angst?

Die mittelmäßige Sonja zuckte mit den Schultern.

Der Teufel schlug brüllend gegen einen gruseligen Zerr-Spiegel, der links von ihm an der Wand des Loches angebracht war. Wie zu erwarten zersprang der Spiegel kreischend. Nein, klirrend.

Die mittelmäßige Sonja wischte sich einen Glassplitter aus der Milz und hustete kurz. Bis sie wieder aufhörte und genauso kurz nichts tat. Dann stach sie dem Teufel ins Auge. Und zwar ins Linke.

Der Teufel verpuffte mit einem grunzigen Grunzen und durch den Verpuffungs-Puff wurde die mittelmäßige Sonja aus dem Loch gepustet bis sie nicht mehr drin war. Als sie davor stand schaute sie noch einmal hinein. Da war nichts. Sie kontrollierte ihr Mehl-Päckchen und stellte feste, das es mittelmäßig unversehrt war.

Später am Abend geschah nichts weiter. Außer dass es mittelmäßig dunkel wurde und die Kolibris ihr immer gleiches Lied zur Nacht sangen. Es beginnt mit Tirili und endet auch so.

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